Meaning & Purpose: Innovation aus dem Inneren heraus

Emergente Innovation lenkt den Blick auf Innovation in die Zukunft – und auf eine tiefe Kenntnis des Innovationsgegenstandes an sich. Mithilfe eines profunden Verständnisses des innersten Kerns des Innovationsgegenstandes (und seiner Potentiale) versuchen wir zu begreifen, was daraus entstehen bzw. emergieren will. Dieser Ansatz des “Learning from the future as it emerges” weist auch einige wichtige Implikationen in Bezug auf die Grundannahmen von Innovation auf. Die wichtigsten Punkte umfassen Innovation aus dem Inneren heraus, die Priorität von Bedeutung (“warum?” und “was?”), das Sich-Aussetzen der Realität und persönliche Veränderung als Voraussetzung für Innovation.

Innovation aus dem Inneren heraus

Emergente Innovation bzw. der leap-Ansatz hat als Ausgangspunkt den Kern des Innovationsgegenstandes und dessen Potentiale (Details dazu finden Sie im Blogpost “Strategien der Innovation”). Der Kern bezieht sich auf das, was der Innovationsgegenstand in seinem tiefsten “Innersten“ bedeutet, was ihn ausmacht, was seine Essenz ist. Die meisten Innovationsansätze starten hingegen bei den äußeren, den materiellen Eigenschaften und deren Veränderung. Daraus entstehen häufig Innovationen, die eigentlich eher Adaptionen sind, z.B. die Verbesserung einer bestehenden Funktionalität. Beginnt Innovation jedoch im Kern, so kann ein dort neu entdecktes, bisher noch nicht realisiertes und zukunfts-gerichtetes Potential zu einem völlig neuen Resultat führen – oder, besser gesagt, emergieren. So hat diese neue entstandene Innovation, dieses neue Resultat in seinem innersten Kern einen Zusammenhang mit etwas bereits Existierendem, ohne jedoch nur eine plumpe Extrapolation zu sein.

Nehmen wir als Beispiel die Automobilindustrie, um diese Thematik etwas greifbarer zu machen. Im Grunde geht es dort nur vordergründig um Autos, um schnellere und stärkere Motoren, um mehr Sicherheit, etc. Geht man allerdings einen Schritt tiefer, so stellt sich im Grunde die Frage der Mobilität (z.B. alternative Mobilitätskonzepte). In weiterer Folge entpuppt sich so immer mehr der Kern hinter der Thematik, und zwar die Frage des Zugangs: wie kann man Zugang (zu etwas oder jemanden) ermöglichen? Innoviert man aus diesem Kern heraus, d.h. wir nehmen diese Fragestellung als Ausgangspunkt für Innovation, kann es zu einem völlig neuen Verständnis eines Automobilherstellers führen. Er könnte z.B. versuchen, die bisher noch nicht realisierten und entstehen wollenden Potentiale in Bezug auf Zugänglichkeit zu verstehen und von innen heraus zu entwickeln. So könnte er schon proaktiv für noch nicht gedachte Needs produzieren, neue Nischen definieren und neue Business-Modelle entwickeln. Im Kern würde er trotzdem immer noch Mobilität und Zugang anbieten, jedoch in völlig neuen Formen, Formaten, Services, Technologien und Realisierungen.

Priorität von Purpose (“why”) und Meaning (“what”)

Dieser Punkt steht in einem engen Zusammenhang mit folgender Frage: Wie können Organisationen neue Bedeutung(-sräume) und neue Ziele, Zwecke schaffen? Im Gegensatz zu klassischen Innovationsansätzen geht es bei emergenter Innovation, bei leap, nicht um die Verbesserung von Funktionalitäten oder etwa materiellen Eigenschaften. Vielmehr handelt es sich dabei um aus der Zukunft und aus dem Kern, aus dem innersten Potential, gedachten Bedeutungsräumen, die zu neuen Zwecken führen. Das funktioniert auch vice versa. Wichtig dabei ist auch der Fokus darauf, dass sowohl Bedeutung als auch Ziel und Zweckgerichtetheit “entstehen wollen“.

Die Frage nach dem “wie” bezieht sich auf die Funktion, auf die Wirkungsweisen, auf das äußere Erscheinungsbild eines Innovationsobjekts. Wie die Abbildung zeigt, kommt hier das “wie” erst ganz am Ende – im Gegensatz zu klassischen Ansätzen, die das “wie” meist als Ausgangspunkt nehmen.

Sich der Realität aussetzen und eintauchen

Im Gegensatz zu den meisten klassischen Innovationsansätzen und Kreativitätstechniken wie Design Thinking oder Brainstorming lässt sich der Prozess der Emergenten Innovation sehr stark von der Realität beziehungsweise vom jeweiligen Innovationsgegenstand leiten. Im Vordergrund steht hier nicht primäre das Aufzwingen einer kreativen Idee auf die Realität, sondern die “Unterwerfung“ an die entstehen wollenden Potentiale. Diese gilt es zu identifizieren, kultivieren und zu entwickeln. Das ist mitunter einer der Hauptgründe, warum die so entstehenden Innovationen nachhaltig und florierend sind. Details dazu finden sich zum Nachlesen im Blogpost “Strategien der Innovation”.

Innovation setzt auch persönliche Veränderung voraus

Emergente Innovation bzw. leap kann nicht abstrakt oder nach Rezept ausgeführt werden. Sie bedarf immer auch eines persönlichen Engagements und einer individuellen Veränderung der eigenen Denk- und Wahrnehmungsmuster bzw. der eigenen Haltungen und Mindsets. Dies ist zwingend Voraussetzung dafür, Neues überhaupt zu denken oder hervorzubringen. Mehr Informationen dazu finden Sie im Blogpost “Hindernisse in der Innovationsarbeit”. Details zur Frage, was Innovation eigentlich ist, finden Sie hier: „Strategien der Innovation”.

Info-Box:

Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten, gemeinsam eine Fragestellung entwickeln, die Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen und dann Konzepte entwickeln, die mehrfach geprüft werden. Ziel dabei ist es, Lösungen zu finden, die aus der Sicht der NutzerInnen (AnwenderInnen) überzeugend sind. Im Gegensatz zu anderen Innovationsmethoden wird Design Thinking teilweise nicht so sehr als Methode oder Prozess beschrieben, sondern vielmehr als ein Ansatz, der auf den drei gleichwertigen Grundprinzipien Team, Raum und Prozess besteht. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Design_Thinking

Die HPI Academy beschreibt Design Thinking wie folgt:

„Design Thinking ist eine systematische Herangehensweise an komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen. Der Ansatz geht weit über die klassischen Design-Disziplinen wie Formgebung und Gestaltung hinaus. Im Gegensatz zu vielen Herangehensweisen in Wissenschaft und Praxis, die von der technischen Lösbarkeit die Aufgabe angehen, stehen Nutzerwünsche und -bedürfnisse sowie nutzerorientiertes Erfinden im Zentrum des Prozesses. Design Thinker schauen durch die Brille des Nutzers auf das Problem und begeben sich dadurch in die Rolle des Anwenders.“

Weitere Informationen zu diesem Thema finden sich hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Design_Thinking
https://hpi-academy.de/design-thinking/was-ist-design-thinking.html

Image: Nuno Antunes at Unsplash