Warum die Frage über die Zukunft der Arbeitswelt so spannend ist

Tiefgreifende Veränderungen gehen derzeit durch unsere Gesellschaft; und dieser Wandel betrifft auch unsere Arbeitswelten. Unternehmensstrukturen, Arbeitsprozesse und Büroräume entwickeln sich weiter – in welche Richtung dies gehen könnte, hat Thomas bei seiner Experience Journey in den USA beobachtet.

Gemeinsam mit dem Büromöbelhersteller Steelcase und ausgewählten Architekten ging es Anfang Mai für eine Woche in die USA. Ausgangspunkt für die 15-köpfige Gruppe war Chicago, Ziel des Trips waren Wissensaustausch und Einblicke in unterschiedliche innovative Arbeits- und Bürowelten. Welche Eindrücke hat Thomas von der anderen Seite des Atlantiks mitgebracht, welche Einsichten reichern das Konzept der Enabling Spaces an und was waren die wichtigsten Learnings der Reise?

Ganz generell – wie ist theLivingCore in Amerika angekommen?

Sehr gut. Vor allem das Gespräch gleich zu Beginn unseres Besuches mit dem Head of Research von Steelcase, Dave Lathrop, über “Strategic Workplace Consulting” fand ich sehr interessant. Bei “Strategic Workplace Consulting” geht es darum, über die Architektur hinaus auch die organisationalen Faktoren eines Unternehmens mitzudenken und in die Gestaltung der Arbeitsumfelder zu integrieren. Neuere Ansätze gehen aber schon einen Schritt weiter, in Richtung “Social Systems Strategy”. Genau dieses Konzept verfolgen wir schon seit Längerem mit Enabling Spaces: Durch ein ganzheitliches (“systems science”) und zukunftsorientiertes (“strategy”) Vorgehen machen wir die Organisation fit für die Herausforderungen der Zukunft. Im Gespräch hat sich Dave sehr beeindruckt von unserer Arbeit und Herangehensweise gezeigt. Er meinte “The world is ready for your business”. Das zeigt, dass wir mit theLivingCore in eine gute Richtung unterwegs sind.

Was sind Enabling Spaces?

Dieses Konzept habe ich gemeinsam mit Markus Peschl entwickelt. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Prozesse, die unser Denken, Wahrnehmen und Handeln beeinflussen, nicht ausschließlich im Gehirn stattfinden. Vielmehr ist auch die Umwelt in alle unsere Denkprozesse miteingebunden: wir “denken mit unserer Umwelt”. Das bedeutet, dass Räume unsere Denk- und Wissensmuster nicht nur stark beeinflussen, sondern daher auch Innovationsprozesse unterstützen oder auch hemmen können. Bei theLivingCore gestalten wir daher Räume so, dass sie Innovation unterstützen, anregen und beflügeln. Dabei beschränken wir das Konzept “Raum” nicht nur auf die architektonische Dimension, sondern integrieren soziale, emotionale, kulturelle und technologischen Räume einer Organisation in eine Arbeitswelt, die zukunftsfähig ist.

Ihr habt auch das Steelcase Headquarter in Chicago besichtigt. Was gab es dort zu entdecken?

Ich war bereits vor drei Jahren dort, zu Beginn des Steelcase Change-Prozesses, und es war sehr interessant zu sehen, was bisher umgesetzt wurde – sowohl, wie Steelcase “Neues Arbeiten” versteht und interpretiert, als auch kulturelle Veränderungen der Führung und der Mitarbeiter unterstützt. James P. Keane, der CEO von Steelcase, probiert laufend neue Dinge aus – von Experimenten mit geschlossenen vs. offenen Büros, über Arbeiten mit Sensoren, bis hin zu innovativen, lärmabsorbierenden Materialien. Besonders das Design hat sich verändert: war dieses vorher noch eher funktional, so ist es mittlerweile sehr hochwertig und atmosphärisch gestaltet. Es wird mehr Wert auf Details gelegt. So wurde zum Beispiel ein sehr schöner, stimmiger, neuer Stuhl vorgestellt. Man merkt den Einfluss von IDEO, eines amerikanischen Design-Thinking- und Produktentwicklungs-Unternehmens, das von Steelcase gekauft wurde. Ich habe auch den Gründer von IDEO, Tim Brown, getroffen und mit ihm lebendige Diskussionen über Innovation und Neue Arbeitswelten geführt.

Am Abend hast du das von Frank Lloyd Wright entworfene Meyer May House besucht. Welche Eindrücke hat dies bei dir hinterlassen?

Interessant und “grenzwertig” fand ich hier vor allem das sehr stark verordnende Design. Den Menschen wurde vorgeschrieben, wie sie zu wohnen haben, da sie das Design im Grunde nicht verändern können. Wie Tim Brown in seinem Buch “Change by Design” erklärt, dient dabei jedes Detail einem übergeordneten Ziel – der Wahrung der Privatsphäre. Dabei sind mir die vielen kleinen Details in Erinnerung geblieben und die spannenden Innovationen der 20er Jahre, wie zum Beispiel das zentrale Staubsauger-System, das damals schon im Haus integriert war und erst vor kurzem wieder Einzug in die moderne Innenarchitektur gefunden hat.

Im Laufe der Reise habt ihr auch noch in San Francisco bei der Stanford University, bei IDEO und bei Autodesk vorbeigesehen. Was ist dir bei diesen doch unterschiedlichen Standorten besonders ins Auge gefallen?

In Stanford ist mir vor allem der großzügige und einladende Campus in Erinnerung geblieben. Firmen wie Autodesk, die in der Industrie 4.0 (= Zusammenführung der industriellen Produktion mit modernen Informations- und Kommunikationstechniken) tätig sind, arbeiten unglaublich offen, beschäftigen sich mit Themen, die es eigentlich noch gar nicht gibt, probieren aus und lernen dabei. Sie betreiben Scheitern als Kultur. Das hat mich sehr beeindruckt. So hat zum Beispiel Autodesk im Toronto Office das Büro-Layout mit ihrer generativen Software berechnen lassen und eine der berechneten Versionen auch als Experiment umgesetzt. Angeblich funktioniert das neue Büro gut. Die Architekten sind dabei etwas blass geworden. Bei IDEO wiederum haben wir interessante Gadgets gesehen und eine sehr positive Büroatmosphäre (mit inspirierendem Blick auf die Bay).

Welche Learnings von deiner Reise hast du für theLivingCore nach Wien mitgebracht?

Vor allem, dass wir mit unserer Arbeit, unserem Know-How und unseren Ansätzen auf dem richtigen Weg sind. Enabling Spaces ist ein Konzept, dass wir bereits vor 10 Jahren entwickelt haben, ständig adaptieren und weiterentwickeln. Eine weitere Erkenntnis ist, dass auch die “coolen Firmen” nur mit Wasser kochen und wir hier keinen Vergleich scheuen müssen. Inspiriert hat mich deren Offenheit, Neues auszuprobieren und ihrem Verständnis, dass Scheitern ein essentieller Bestandteil des Lernens ist. Das möchte ich bei uns noch mehr unterstützen.

Image: Clay Banks at Unsplash