Wir holen die Zukunft ins Heute – Interview TOP LEADER

Unser Gründer und CEO, Thomas Fundneider, wurde unlängst von der Zeitschrift TOP LEADER magazine interviewt.

Sie sind Innovations- und Strategieberater, Lektor an mehreren europäischen Unis und Gründer und Geschäftsführer von „theLivingCore“ – der lebend(ig)e Kern. Was genau ist damit gemeint?

In unserer Arbeit steht die Frage nach der Lebendigkeit von Organisationen und der Menschen, die dort arbeiten im Vordergrund. Lebendigsein bedeutet sowohl für uns Menschen als auch für Organisationen “authentisch mitten im Leben” zu stehen und in unserer Umwelt sinnstiftend zu wirken. Orientierung, das Hervorbringen neuer Bedeutung und Sinnstiftung sind angesichts einer sogenannten VUCA-Welt, die durch Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität geprägt ist, von zentraler Bedeutung. Lebende Systeme begegnen diesen Herausforderungen, indem sie eine gute Balance zwischen Stabilität und Erneuerung finden.

Bei theLivingCore wenden wir die Herausforderungen einer VUCA-Welt und der Digitalisierung ins Positive, um Unternehmen aus ihrem lebendigen Kern heraus in ihre Zukunft zu begleiten und zu transformieren.

Als Wissens- und Innovationsarchitekt geht es Ihnen um das tiefe Verstehen einer Organisation. Was können Sie aus diesem Verständnis entwickeln, wozu dient es?

Das Wort “Architekt” leitet sich aus dem Griechischen “arkhitéktōn” ab, das sich aus den Wörtern “arché”, Ursprung, Anfang und “téchne”, Handwerker, zusammensetzt. Es handelt sich also um eine Person, die ihr Handwerk vom Ursprung her und in ganzheitlicher Weise angeht und unterschiedlichste Disziplinen auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichtet. Unsere Ansätze und Services folgen dieser fundamentalen und ganzheitlichen Vorgehensweise und wenden diese auf Organisationen unterschiedlichster Industrien und Größen an.

Häufig werden Organisationen nach quantitativen Maßstäben gestaltet, gemessen und geführt. In unserem Ansatz gehen wir darüber hinaus und versuchen gemäß unseres Verständnisses eines Architekten, die tiefere Bedeutung und den Purpose eines Unternehmens, das, was eine Organisation in ihrem Kern ausmacht, zu verstehen und fruchtbar zu machen. Dies ermöglicht uns einen sehr fundamentalen Zugang zu den Menschen und der gesamten Organisation als notwendige Grundlage für Positionierungs-, Transformations-, und Innovationsprozesse. Die Ergebnisse unserer Projekte zeigen, dass nur solch ein tiefes und ganzheitliches Verstehen Veränderungen erlaubt, die nachhaltig und zukunftsfähig, und damit den Herausforderungen unserer heutigen Zeit gewachsen sind.

Will man etwas wirklich völlig Neues schaffen, so müssen wir verstehen, welche Potentiale in der Zukunft liegen.

Ihr spannender Ansatz lautet ”Lernen aus der Zukunft“ – wie ist das zu verstehen?

Wenn Unternehmen sich verändern oder Produkte innovieren wollen, lassen sie sich dabei oft von der Vergangenheit leiten. Das heißt, man extrapoliert von der Vergangenheit in die Zukunft. Zwar finden so Veränderungen statt und neue Produkte oder Dienstleistungen kommen auf den Markt, es handelt sich dann aber oft um mehr vom Selben. Zwar kann dies auch erwünscht sein, will man jedoch etwas wirklich völlig Neues schaffen, so müssen wir verstehen, welche Potentiale in der Zukunft liegen.

Die große Herausforderung, der wir uns bei theLivingCore mit unseren Kunden stellen, ist eben diese verborgenen Zukunftspotentiale zu identifizieren und als neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle zu realisieren. Mit unserer leap-Innovationstechnologie stellen wir damit klassische Innovations- und Kreativitätsansätze auf den Kopf, da wir sozusagen die Zukunft ins Heute bringen.

Stichwort „Future Identity Transformation“: Inwiefern verändern Digitale Technologien „klassische“ Organisationsformen?

Die digitalen Technologien erzeugen eine völlig neue Ordnung in Wirtschaft und Gesellschaft, bedeuten also eine radikale Veränderung. Warum? Weil im Digitalen Zeit und Raum kaum mehr eine Rolle spielen. Damit ermöglicht das Digitale eine ganze Reihe von neuen Qualitäten, die wir in dieser Form bisher noch nicht realisieren konnten: zum Beispiel Automatisierung komplexer kognitiver Prozesse durch Künstliche Intelligenz, Plattform-Ökonomien mit hoch vernetzten, effizienten und dynamischen Infrastrukturen.

Unternehmen in allen Branchen müssen eine Antwort auf diese Veränderungen finden, um zukunftsfähig zu bleiben. Das bedeutet nicht, dass sie alle zu den Googles und Amazons dieser Welt werden müssen. Wir sind überzeugt: die Kunst besteht darin, nicht nur auf den Wandel zu reagieren, in dem Prozesse digitalisiert werden, sondern einer Organisation eine neue Bedeutung für den veränderten Kontext zu geben. Unser Ansatz in Future Identity Transformation geht davon aus, dass dies nicht nur technologische Aspekte und Veränderungen umfasst, sondern vor allem auch organisationale Fragen, Menschen und ihre zukünftigen Bedürfnisse in den Mittelpunkt rückt.

Ihre Vorgehensweise beruht auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Können diese bei allen Unternehmen bzw. in allen Branchen zur Anwendung kommen?

Es liegt im Wesen von Organisationen, sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen und mittels ihrer Produkte oder Dienstleistungen positiv gestaltend in die Zukunft einzugreifen. In diesem Sinne sind die von uns entwickelten wissenschaftlichen Einsichten in Bezug auf Zukunft und Innovation, die dabei involvierten kognitiven und neuronalen Prozesse und die proaktive Gestaltung der Zukunft generisch und universell; sie können daher in nahezu allen Unternehmen bzw. Branchen zum Einsatz gebracht werden. Dies zeigt sich auch in der großen Vielfalt an Industrien und Branchen, in denen theLivingCore seine Projekte erfolgreich durchgeführt hat.

In welchem Bereich herrscht aus Ihrer Sicht bei heimischen Organisationen der größte Verbesserungsbedarf? Wo müsste dringend nachjustiert werden?

In unseren Projekten sehen wir vor allem zwei Bereiche, in denen erhöhter Handlungsbedarf besteht: einerseits ein mangelndes Verständnis für die Dringlichkeit, dass die konsequente Auseinandersetzung mit der Zukunft des Unternehmens und damit mit Innovation und Veränderung unabdingbar sind in einer Welt, die sich so radikal in Transformation befindet, wie wir es heute erleben. Andererseits beobachten wir, dass viele Unternehmen auf diese Veränderungen relativ unvorbereitet sind, obwohl viele von ihnen die besten Voraussetzungen hätten, in dieser veränderten Welt “mitzuspielen”. Gründe dafür sind häufig mangelnde Bereitschaft zur (kritischen) Reflexion, das Festhalten an bestehenden Routinen und eine mangelnde Offenheit auf organisationaler Ebene.

Dieser Verbesserungsbedarf ist jedoch nicht alleine den Unternehmen anzulasten. Unsere Bildungssysteme haben bislang noch nicht ausreichend auf diese radikalen Veränderungen in unserer Welt reagiert. Aus diesem Grund haben wir vor einem Jahr die theLivingCore Academy gegründet und legen in unseren Projekten einen großen Wert auf den Aspekt der Ausbildung. 

Haben Sie auch Leadership-Programme entwickelt?

Ja, das haben wir. Unser Leadership-Programm heißt „frame“ und konzentriert sich auf Führungskräfte und wie diese komplexe Transformationsprojekte umsetzen können. Unser Ansatz beruht auf einer wohlbekannten Erfahrung: Wer schon einmal mit Veränderungsprozessen konfrontiert war, weiß, dass diese nicht starr geplant oder statisch umgesetzt und kontrolliert werden können. Vor allem in einer höchst unsicheren und komplexen Welt müssen Unternehmen die Veränderung anders angehen, nämlich zukunftsorientiert und ko-kreativ.

„frame“ zielt darauf ab, Führungskräfte auf persönlicher Ebene weiterzuentwickeln, indem es in einem ersten Schritt ihre Denkweise, also ihr Mindset, auf eine zukunftsorientierte, öffnende Weise formt. Da unsere Denkweise unser Handeln bestimmt, bauen wir gemeinsam mit den Führungskräften und auf Basis dieses zukunftsorientierten Mindsets Praktiken und Prozesse auf, die sie in die Lage versetzen, Veränderungsprojekte und Transformation pro-aktiv mitzugestalten und erfolgreich umzusetzen.

Warum wird das Thema Leadership in Zeiten der Digitalisierung immer wichtiger?

Aus unserer Sicht hat digitale Transformation nicht primär mit Technologie zu tun, sondern viel mehr mit Menschen und Bedeutungsveränderung. Technologien sind nur ein Mittel, das Unternehmen dabei unterstützt, ihren Purpose besser oder auf andere Weise zu erfüllen. In diesem Kontext spielt Leadership eine mehrfach wichtige Rolle: Führungskräfte sind keine Manager mehr. Vielmehr müssen sie ihren Mitarbeitern in unsicheren Zeiten Orientierung und eine gewisse Sicherheit bieten sowie diese an der gemeinsamen Reise durch die Veränderungsprozesse der Organisation beteiligen. Sie müssen souverän in die Zukunft blicken und die Potentiale mutig aufgreifen können, um sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern zu erkunden und zu neuen Geschäftsmodellen oder Produkten und Dienstleistungen zu entwickeln.

Dabei ist nicht nur Wissen über neue digitale Technologien vonnöten, sondern vor allem ein gutes Verständnis ihrer möglichen Anwendungen im gesellschaftlichen Kontext und ihrer Auswirkungen auf das Unternehmen. Führungskräfte in Zeiten der Digitalisierung werden zu Ermöglichern, die gemeinsam mit ihren Mitarbeitern an der Zukunft ihres Unternehmens arbeiten, indem sie ihnen eine Arbeitsumgebung zur Verfügung stellen, die eine gemeinsame Weiterentwicklung sowohl der einzelnen Mitarbeiter als auch des Unternehmens als Ganzes ermöglicht. Dies ist in Zeiten der Digitalisierung nochmals wichtiger, da sich die Geschwindigkeit der Veränderungen beschleunigt hat. Das zentrale Thema von Leadership ist also einerseits eine gewisse Stabilität und Sicherheit zu schaffen und andererseits zugleich die Mitarbeiter souverän und unter deren Einbeziehung durch diese Veränderungen zu führen.

Welche Vorhaben möchten Sie unseren Lesern besonders ans Herz legen?

Die Bedeutung von Räumen. Gut gedachte und gestaltete Räume haben einen enormen Effekt und Hebel auf Menschen und Ergebnisse. Wir sehen das immer wieder in unseren Enabling Spaces Projekten, wie zum Beispiel dem Merck Innovation Center.

Wie/wo können Sie am besten entspannen?

In der Natur, beim Radfahren und beim Schwimmen.

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?

Mich inspiriert der Mut von Menschen, die sich für eine Sache, die die Allgemeinheit betrifft, engagieren. Diese Menschen riskieren ihr Leben, um zum Beispiel autokratische Regierungsformen zu verändern. Das bewundere ich sehr.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?

Nie das Interesse am Gegenüber verlieren. Sei es in der Partnerschaft, gegenüber Menschen im Allgemeinen, in unserer Beziehung zur Natur, aber auch gegenüber Neuem und Anderem.

Was ist das Verrückteste, das Sie je in Ihrem Leben getan haben?  

Mit einem Toyota Corolla 1300 ohne zusätzlichen Benzinkanister und ohne Trinkwasserreserven quer durch Simbabwe zu fahren. Nach Mitternacht und mit dem letzten Benzintropfen hatten wir eine Stadt erreicht. Auf dem Rücksitz saß ein schweißgebadeter Malariakranker, den wir auf dem Weg mitgenommen haben. 

Sie können EIN Weltproblem lösen – welches wäre das?  

Fehlende Bildung. Das ist der Anfang. Alle anderen Probleme sollten sich dadurch lösen lassen.

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